Verkaufen sich Immobilien mit Rundgang schneller?
Die Studienlage — ehrlich eingeordnet
„Bis zu 31 % schneller verkauft" — solche Zahlen kursieren überall. Aber woher stammen sie, wie belastbar sind sie, und was davon gilt für den deutschen Markt? Wir haben die Quellen geprüft, statt sie abzuschreiben.
Stand: Juli 2026 · Lesezeit ca. 7 Minuten · mit Quellenverzeichnis
Das Wichtigste in Kürze
- Die bekannteste Zahl — bis zu 31 % schnellerer Verkauf, bis zu 9 % höherer Preis — stammt aus einer US-Analyse echter Verkaufsdaten, beauftragt vom Tour-Anbieter Matterport.1 Real gemessen, aber mit Interessenlage im Hintergrund.
- Robuster über alle Quellen hinweg: Rundgänge erzeugen deutlich mehr Beschäftigung mit dem Exposé und ernsthaftere Anfragen.
- 71 % der US-Käufer würden mit 3D-Tour sogar ungesehen kaufen2 — das zeigt, wie viel Vertrauen das Format aufbaut.
- Deutsche Portale veröffentlichen keine harten Prozentwerte. Wer Ihnen „deutsche Studien" mit exakten Zahlen verspricht, zitiert meist die US-Daten weiter.
Was die Studien tatsächlich zeigen
Dazu kommt das Nutzungsverhalten: Das US-Portal Redfin stattet inzwischen praktisch alle eigenen Inserate mit 3D-Touren aus und verzeichnete nach 2020 einen dauerhaften Anstieg der virtuellen Begehungen um mehrere hundert Prozent.3 Und in deutschen Befragungen wünschen sich rund drei Viertel der Interessenten 360°-Ansichten im Exposé.4
Ehrlich eingeordnet: Wie belastbar sind diese Zahlen?
Drei Dinge sollte man wissen, bevor man die 31 % auf ein Kundengespräch klebt:
- Auftraggeber: Die großen Analysen stammen von Matterport bzw. Redfin — Unternehmen, die von 3D-Touren leben. Die Daten sind echt (US-Maklerdatenbanken), aber die Auswahl und Aufbereitung dient einem Geschäftsinteresse.
- Selektionseffekt: Objekte mit Rundgang werden oft insgesamt professioneller vermarktet — bessere Fotos, bessere Texte, aktivere Makler. Ein Teil des Effekts gehört also der guten Vermarktung insgesamt, nicht der Tour allein.
- US-Markt: Käuferverhalten, Portale und Verkaufsprozesse unterscheiden sich. Die Richtung des Effekts ist übertragbar, die exakten Prozentwerte sind es nicht.
Warum wir das so offen schreiben? Weil das Argument auch ohne Übertreibung stark ist — und weil Eigentümer und Makler zu Recht skeptisch werden, wenn jede Agentur mit denselben ungenannten „Studien" wirbt.
Was davon sicher auch in Deutschland gilt
Unabhängig von US-Prozentwerten gibt es drei Mechanismen, die überall funktionieren, weil sie schlicht Käuferverhalten sind:
- Aufmerksamkeit im Portal: Ein Exposé mit Tour bietet mehr zu entdecken — Interessenten bleiben länger im Inserat und beschäftigen sich intensiver mit dem Objekt. Schon für die Darstellungsqualität allein gilt: Der Immobilienverband IVD zeigt, dass aufwendigere Exposés messbar mehr Anfragen erzeugen.4
- Vorqualifizierung: Wer nach der digitalen Begehung einen Termin anfragt, kennt Schnitt, Zustand und Größe bereits. Die Zahl der Termine sinkt, ihre Qualität steigt — das ist der Effekt, den Verkäufer sofort im Alltag spüren.
- Vertrauensaufbau bei Fernkäufern: Umzügler und Kapitalanleger treffen ihre Vorauswahl komplett digital. Für diese wachsende Gruppe ist die Tour oft die Eintrittskarte in die engere Wahl.
Und was sehen wir selbst in OWL?
Wir führen keine eigene Statistik mit Kontrollgruppe — dafür ist unser Auftragsvolumen zu klein, und wir versprechen nichts, was wir nicht messen können. Was wir aber konsistent zurückgemeldet bekommen: weniger, dafür deutlich ernsthaftere Besichtigungstermine, gerade bei bewohnten Objekten. Eigentümer nennen am häufigsten die gewonnene Ruhe; Makler den Unterschied in der Objektakquise, wenn sie dem Eigentümer eine Tour als Teil des Vermarktungspakets zeigen können — mehr dazu auf unserer Seite Vorteile für Makler.
Quellen
- Matterport: „With 3D Tours, properties sell up to 31% faster and at a higher price" — statistische Analyse von US-MLS-Verkaufsdaten (Anbieter-Studie).
- Redfin/Matterport-Umfrage 2020: Käufer- und Verkäuferpräferenzen zu 3D-Touren — u. a. 71 % „sight unseen", 67 % „ernsthaftere Interessenten".
- Matterport/Redfin Case Study: Anstieg der monatlichen virtuellen Begehungen seit 2020.
- PANOVA: Zusammenstellung deutscher Studienergebnisse zu 360°-Inhalten und Exposé-Qualität — u. a. IVD-Daten zu Exposé-Anfragen und Nutzerwunsch nach 360°-Ansichten.
Alle Quellen zuletzt geprüft im Juli 2026. Wir verlinken bewusst auf die Originalquellen — auch dort, wo es Anbieter-Studien sind, damit Sie die Herkunft selbst beurteilen können.
Häufige Fragen zur Studienlage
Verkaufen sich Immobilien mit 360°-Rundgang wirklich schneller?
US-Verkaufsdaten zeigen bis zu 31 % kürzere Vermarktungszeiten — gemessen vom Anbieter Matterport. Die exakte Zahl ist mit Vorsicht zu genießen, die Richtung des Effekts gilt aber auch hier: mehr Beschäftigung mit dem Exposé, ernsthaftere Anfragen.
Gibt es deutsche Studien mit konkreten Zahlen?
Deutsche Portale veröffentlichen keine harten Prozentwerte zu Rundgängen. Belegt ist hierzulande, dass aufwendigere Exposés messbar mehr Anfragen erzeugen und rund drei Viertel der Interessenten sich 360°-Ansichten wünschen.
Steigert ein Rundgang den Verkaufspreis?
Die US-Analyse fand bis zu 9 % höhere Preise. Realistischer Mechanismus: Ein Rundgang erweitert den Interessentenkreis (auch überregional) und stärkt die Verhandlungsposition — eine Preisgarantie ist er nicht.
Was ist der zuverlässigste Effekt in der Praxis?
Die Vorqualifizierung: weniger Besichtigungstermine, dafür mit Interessenten, die das Objekt digital schon kennen. Das berichten Studien und unsere Kunden übereinstimmend — und es spart sofort spürbar Zeit.
Testen Sie den Effekt am eigenen Objekt
Festpreis ab 219 €, Termin online gebucht, Rundgang in 24–72 Stunden — und die nächste Besichtigungsrunde findet nur noch mit echten Interessenten statt.